![]() |
|
Dienstleistungskommission des dbv: Unsere Kunden - Was wollen die bloß von uns? - Benutzererwartungen in (wissenschaftlichen) Bibliotheken (#94)
| Moderation: | Thomas Schmieder-Jappe Staatsbibliothek zu Berlin - Berlin, Deutschland |
|
| Themenkreis: | 04 - Bibliotheken für die Menschen | |
| Zeit: | Mittwoch 17. März 2010 14:00 - 15:30 | |
| Raum: | Saal 3 | |
Die Dienstleistungskommission des dbv stellt die Frage, die sich viele Kolleginnen und Kollegen bei der Generierung und Evaluierung des Dienstleistungsportfolios ihrer Bibliothek immer wieder stellen: Unsere Kunden - Was wollen die bloß von uns?
Mit großer Gewissenhaftigkeit und in bester Absicht stellen Bibliotheken ihre Dienstleistungsangebote zusammen und kommunizieren sie in der Erwartung die Wünsche ihrer Klientel zu befriedigen. Kundenorientertes Handeln ist oberste Maxime und dennoch kommt es nach manch einer Datenerhebung zum Benutzerinteresse und zur Benutzerzufriedenheit zu einer gewissen Ernüchterung. Haben wir die richtigen Fragen gestellt? Schöpfen wir unser Kundenpotential wirklich aus? Holen wir die Benutzer wirklich dort ab wo sie sind? Verstehen wir unsere Benutzer? Verstehen unsere Benutzer uns?
Zu dem Themenkomplex "Benutzererwartungen in (wissenschaftlichen) Bibliotheken" will die Dienstleistungskommission innovative Ansätze vorstellen und mit den Referenten und dem Publikum der Veranstaltung in die Diskussion treten. Wir wollen den Teilnehmern des Bibliothekskongresses in Leipzig einen frischen Blick auf das Gebiet der Kundenanalyse bieten um ihnen zu helfen neue Wege zu finden ihre Bibliotheken zukunftsfähig zu gestalten.
Vorträge:
1. Das charmante Feld der Kundenanalyse: Wege, Instrumente, Fallstricke (#436)
Annette Kustos
Universitätsbibliothek Hagen - Hagen, Deutschland
Bibliotheken möchten nah am Kunden sein – dieser Vortrag zeigt als Vorspann zu den vorgestellten Methoden auf, dass Bibliotheken schon sehr lange nach Parametern suchen, die die Nähe der Sammlung, der (elektronischen) Dienstleistungen und Zugangswege zum Gebrauch und zum Nutzer sicherstellen. Die einzelnen Methoden entstammen verschiedenen wissenschaftlichen Forschungskonzepten wie der empirischen Sozialwissenschaft bzw. (kultur-)ökonomischen oder informationswissenschaftlichen Designs. Darauf aufbauend haben Bibliotheken anwendungsorientierte Modelle der Kundenanalyse entwickelt und ausprobiert. Ideal wäre - wie es im Ursprung von Sammlung und Bibliothek auch war - dass Eigengebrauch eine Sammlung entwickelt. Doch die Bibliotheken sind heute infrastrukturelle Informationseinrichtungen innerhalb komplizierter Systeme wie Forschung, Lehre, Bildung, Kultur und Lebensgestaltung mit vielfältigen Nutzerstrukturen und einer schwierigen Stellung im Markt. Der Nutzer scheint weit entfernt und unbekannt. Dies und die politische Wirklichkeit im Umgang mit Trägern und Politik, die Notwendigkeit, vielerorts täglich, um die finanziellen Ressourcen zu kämpfen, machen methodische Kundenanalysen scheinbar notwendig. Datenerhebungen zu Bedarf, Nutzung und Wirkung (Output, Outcome, Impact), Marktplatzierung, Benutzerinteresse, -zufriedenheit und -verhalten werden für Entscheidungen zur Produktentwicklung gebraucht – doch sind diese Zusammenhänge in Zeiten der sozialen Netzwerke des Web 2.0 noch gegeben? Erreicht man nicht mehr, wenn man den Ausguck hier platziert? Erkenntnisse qualitativer oder ganzheitlich orientierter Methodenmixes, z. B der Ethnographie, lassen nicht nur ein Déjà- vue der althergebrachten Bibliothekssoziologie aufscheinen, sondern spiegeln möglicherweise auch die „intrinsischen“ Werte für die Benutzer im Kontext der Debatte von Bibliothek als Kulturwert wieder. Der Vortrag fußt auf einer exemplarisch-historischen Sichtung der Fachliteratur.
2. Benutzer als Co-Entwickler der Bibliothek - Web-basierte Interaktion verstehen und nutzen (#575)
Lambert Heller
TIB/UB Hannover - Hannover, Deutschland
Blogs, Twitter, Facebook & Co. sind sehr "gesprächige" Webmedien. In den dort stattfindenden Gesprächen schlägt sich chaotisch nieder, wie "unsere" Benutzer tatsächlich Informationen suchen und finden - und auch, welche Rolle dabei unsere Angebote (nicht) spielen.
Wie ist ein Monitoring dieser Medien umsetzbar? Was ist dabei herauszufinden? Wie positionieren wir uns selbst in diesen Medien? Was sind typische Erfahrungen und Probleme beim "Corporate Blogging"? Sollte man Mitarbeitern erlauben, als Einzelpersonen zu bloggen, zu twittern o. ä.? Oder es ihnen unter bestimmten Voraussetzungen sogar nahelegen?
Welche Implikationen hat die strategische Einbeziehung sozialer Webmedien für die traditionelle Kommunikation mit dem Benutzer sowie für den Innovationsprozess von Bibliotheken und Informationseinrichtungen?
Diese Fragen sollen anhand von Good-Practice-Beispielen aus Unternehmen und Bibliotheken beleuchtet werden.
3. In den Mokassins der Kunden - Ethnographie in der Nutzerforschung (#437)
Kerstin Schoof 1, Prof. Ursula Schulz 2
1Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg - Oldenburg, Deutschland; 2HAW Hamburg - Hamburg, Deutschland
Bibliothekare führen viele und hilfreiche Statistiken. Zählungen und
quantitative Erhebungen setzen allerdings voraus, dass der zu
untersuchende Sachverhalt bereits bekannt ist. Die Anwendung von Methoden
qualitativer Sozialforschung eröffnet die Chance, Unvermutetes
über die Wirklichkeiten und Bedürfnisse unserer Nutzer zu erfahren. Durch
die Einbeziehung von Medien wie Fotografie und Video können bibliothekarische
Untersuchungen zudem auch für die Teilnehmer interessanter gestaltet
werden. Im Vortrag werden ethnographische Methoden aus der aktuellen
Bibliothekspraxis vorgestellt und durch Auszüge aus einer eigenen Studie
veranschaulicht.
4. Fragen wir doch die Anwender - Die Usability-Studie über das Bibliotheksportal DigiBib (#439)
Christine Baron
hbz - Hochschulbibliothekszentrum NRW - Köln, Deutschland
Datenbankprofile - Zeitschriftenkataloge und Lieferdienste - Regionalbibliographien
Werden unsere Angebote im Internet von den Anwendern wahrgenommen? Ist das Angebot in seiner Bandbreite und im Hinblick auf die Inhalte verständlich?
Bieten wir unseren Kunden die richtigen Auswahl- und Entscheidungsmöglichkeiten? Sind die Bezeichnungen bekannt - auch bei Nicht-Bibliothekaren?
Antworten auf diese Fragen soll die Usability Studie liefern, die im Rahmen der Einführung des neuen DigiBib-Releases durchgeführt wird. Der Vortrag stellt die Vorgehensweise vor.
