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Bibliotheken als Akteure im Forschungsdatenmanagement (#24)
| Moderation: | Roland Bertelmann, Dr. Hans Pfeiffenberger Deutsches GeoForschungszentrum GFZ - Potsdam, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung - Bremerhaven, Deutschland |
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| Themenkreis: | 05 - Wissen gewinnen und Wissen bewahren: Bibliotheken für Schule, Studium, Forschung, Beruf, Freizeit | |
| Zeit: | Mittwoch 17. März 2010 09:00 - 12:00 | |
| Raum: | Saal 3 | |
Im Zuge immer größer und komplexer werdender Datenmengen sehen sich wissenschaftliche Institutionen zunehmend mit den Herausforderungen und Chancen im Umgang mit Forschungsdaten konfrontiert.
Wissenschaftspolitisch gewinnt die Forderung nach einem verantwortungsvollen und organisierten Umgang mit Forschungsdaten, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung entstehen, an Bedeutung. Die einfache Nachnutzung und Nachprüfbarkeit von Forschungsdaten bieten die Chance die Effektivität (und Integrität) der Wissenschaft steigern. Die Herausforderungen sind dabei vielfältig und variieren je nach Disziplin.
Wissenschaftliche Institutionen sind gefordert sich diesem Themenfeld zu stellen. Besondere Bedeutung kommt dabei der engen Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Infrastruktureinrichtungen, wie Bibliotheken, Datenzentren und Rechenzentren zu. Herausforderung ist es kooperativ Lösungen für das Management von Forschungsdaten zu etablieren, die den Anforderungen der jeweiligen Disziplin entsprechen.
In der vom Helmholtz Open Access Projekt organisierten Blockveranstaltung werden, aus Sicht verschiedener Disziplinen, Aktivitäten in diesem Themenfeld vorgestellt. Der Beitrag der einzelnen Bibliotheken in diesem heterogenen Feld wird dabei ein zentrales Thema sein.
Vorträge:
1. Forschungsdaten 2010: Relevanz, Positionen und Akteure (#77)
Sünje Dallmeier-Tiessen
Deutsches GeoForschungszentrum GFZ - Potsdam, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung - Bremerhaven, Deutschland
Im Rahmen der Forschungsarbeit entstehen in zunehmendem Umfang digitale Daten, die nicht mehr als "gedruckte" Tabelle, teils nicht einmal als Supplement Teil des veröffentlichten Ergebnisses werden.
Forschungsdaten sind das Produkt verschiedenartiger, teils auch sehr komplexer Forschungsprozesse. Sie können von einzelnen Forschenden oder Forschungsverbünden, aus einfacher Laborarbeit, Interview oder komplexen Forschungsinfrastrukturen entstanden sein. Alle Forschungsdaten -egal aus welchem Kontext heraus sie entstanden sind- benötigen ein angemessenes Management. Forschungsdaten sind (zum Teil) einzigartige Daten, zum Beispiel aufgrund Ihrer kostenintensiven Herleitung oder aufgrund eines einzigartigen Phänomens. Für eine integre und wettbewerbsfähige Forschung ist es daher unabdingbar Forschungsdaten zu erhalten und in vielen Fällen auch, sie zur potentiellen Nachnutzung zur Verfügung zu stellen. Neue technische Möglichkeiten ebenen heutzutage den Weg für die Umsetzung eines modernen Forschungsdatenmanagements, welches disziplinspezifische Charakteristika berücksichtigt.
Dieser Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen (internationalen) Stand beim Thema Forschungsdaten. Dies geschieht mit einer kurzen Einführung in das Thema Forschungsdaten und deren Charakteristika und Herausforderungen. Anschließend werden Positionen und Akteure in diesem innovativen Feld vorgestellt, wobei insbesondere die Rolle der Bibliotheken herausgestellt wird.
2. Zitierfähige Forschungsdaten und die Rolle von Bibliotheken (#80)
Dr. Jan Brase
Technische Informationsbibliothek (TIB) - Hannover, Deutschland
Die naturwissenschaftliche Publikation, die eine Hauptrolle im Wissenserwerb spielt, ist nur der letzte Schritt in einem Prozess, dessen Grundlage die Forschungsdaten sind. Diese Forschungsdaten werden analysiert, interpretiert und synthetisiert und das Ergebnis dieses Prozesses ist eine Wissenschaftliche Veröffentlichung.
Während allerdings Wissenschaftliche Veröffentlichungen, nicht zuletzt durch Bibliotheken, problemlos zugänglich sind, bleiben die zugrunde liegenden Forschungsdaten in der Regel verloren.
Seit 1999 wird im Verlagswesen der Digital Object Identifier (DOI) verwendet um Verlinkungen zwischen Publikationen technisch einfach zu realisieren und nachzuvollziehen. Seit 2005 fungiert die Technische Informationsbibliothek (TIB) als DOI-Registrierungsagentur um auch Forschungsdaten auf diese Weise zugänglich und zitierfähig zu machen. Die Möglichkeit einer anerkannten Zitierung von Forschungsdaten erhöht nicht nur die Sichtbarkeit von diesen, sondern stellt auch eine starke Motivation für Wissenschaftler da, ihre Daten zu publizieren, um Wissenschaftliche Anerkennung durch Zitate zu erlangen.
Mittlerweile wurden über 650.000 Datensätze von der TIB registriert. Seit Sommer 2009 erfolgt die DOI-Registrierung von Forschungsdaten unter dem Namen DataCite in Kooperation mit der British Library, der Bibliothek der TU Delft, dem National Technical Information Center Denmark, dem L’Institut de l’Information Scientifique et Technique (INIST) aus Frankreich, der Bibliothek der ETH Zürich und dem Kanadischen Institute for Scientific and Technical Information (CISTI). Ziel der Kooperation soll es sein, weltweit Forschern Methoden zur Verfügung zu stellen, die es ihnen ermöglichen, Forschungsdaten sicher und eindeutig zu finden, zu identifizieren und zu zitieren. Weitere Länder und Organisationen sind jederzeit willkommen, sich der Kooperation anzuschließen.
3. Forschungsdaten und ihre Informationssysteme in der Archäologie: die Datenwelt am Deutschen Archäologischen Institut (#78)
Sabine Thänert
Deutsches Archäologisches Institut - Berlin, Deutschland
Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) unterhält elf Abteilungen und Kommissionen im In- und Ausland mit Sitz der Zentrale in Berlin. Im Laufe seiner fast 200-jährigen Geschichte entstanden im Rahmen von Grabungen große Mengen an Forschungsdaten und Publikationen, die heute u.a. zusammen mit Nachlässen von Altertumswissenschaftlern, Photosammlungen oder historischen und modernen Bibliotheksbeständen an allen Standorten des DAI aufbewahrt werden.
Das DAI sieht seinen Auftrag nicht nur in der Grundlagenforschung zum Verständnis historischer Kulturen sondern auch in der Archivierung und Vernetzung der in analoger und digitaler Form vorliegenden komplexen Forschungsmaterialien. Dies geschieht nicht nur innerhalb der DAI-Infrastruktur sondern auch mit nationalen und internationalen Portalen der Wissenschaftslandschaft.
Im Vortrag sollen bestehende und geplante Strukturen vorgestellt werden; Schlagworte sind dabei u.a.: Suchmaschinentechnologie, Anwendung von FRBR, Referenzierung durch CIDOC-CRM und Text Mining.
4. "BW-eLabs" und "LiLa" - Forschungsdaten und Virtuelle Forschungsumgebungen im Bereich der Natur-/Ingenieurwissenschaften und der Nanotechnologie (#79)
Dr. Matthias Schulze
Universität Stuttgart - Stuttgart, Deutschland
Im Hinblick auf innovative Entwicklungen im bibliothekarischen Umfeld stehen in jüngster Zeit die beiden Themen „Forschungsdaten“ und „Virtuelle Forschungsumgebungen“ ganz oben auf der Tagesordnung. Zweifellos sind Bibliotheken durch diese Themenfelder vor neue Herausforderungen gestellt: Unter anderem im Hinblick auf Kooperationen mit den einzelnen Fachwissenschaften, der Zusammenarbeit mit Daten- und Rechenzentren, aber auch mit dem Fokus auf infrastrukturelle Überlegungen beim Aufbau von Forschungsdaten-Repositories sowie Themen wie Standards, Interoperabilität, Open Access und Langzeitarchivierung.
Die Universitätsbibliothek Stuttgart ist seit dem Sommer 2009 an zwei komplementären Projekten beteiligt, in denen diese neuen Herausforderungen exemplarisch angegangen werden. Zum einen handelt es sich um das von der EU geförderte eContentplus-Projekt „LiLa – Library of Labs: Dissemination of Remote and Virtual Laboratories for Natural Sciences and Engineering“, in dem es um die Vernetzung von virtuellen Laboren für die akademische Ausbildung geht. Zum anderen geht es in dem vom Land Baden-Württemberg geförderten Projekt „BW-eLabs - Wissensmanagement in virtuellen und remote Laboren“ um die Erweiterung des Zugriffs auf heterogene experimentelle Ressourcen zur nachhaltigen Erschließung sowie die Nutzung von Forschungsdaten und Experimenten für Forschungs- und Ausbildungszwecke. Das Gebiet der Nanotechnologie dient hier als Pilotdisziplin. Der Beitrag wird die beiden Projekte mit ihren bibliothekarischen Implikationen vorstellen, erste Ergebnisse präsentieren und zur Diskussion stellen.
5. Speicherung und Publikation von Forschungsdaten – Der Beitrag der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (#82)
Olaf Siegert
ZBW - Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft - Kiel, Deutschland
Die ZBW beschäftigt sich vor allem im Kontext ihrer Open-Access-Aktivitäten mit Forschungsdaten. Dabei stehen die Daten nicht allein, sondern sind jeweils auf eine bestimmte Text-Publikation bezogen und werden mit dieser zusammen veröffentlicht („related data“).
Im Vortrag soll anhand des Open-Access-Journals „Economics“ und des EU-Projekts „NEEO – Networked of European Economists Online“ dargestellt werden, in welcher Form Forschungsdaten hier eine Rolle spielen und welche spezifischen Rahmenbedingungen für das Management der Daten bestehen. Daran anschließend werden die gewählten technischen und organisatorischen Lösungen zur Speicherung und Bereitstellung vorgestellt.
6. The World Atlas of Language Structures Online - Forschungsdaten in der Linguistik (#81)
Robert Forkel
Max-Plank-Gesellschaft - München, Deutschland
1. Die Max Planck Digital Library (MPDL) als Akteur im Forschungsdatenmanagement
Die Digital Editions Gruppe in der MPDL beschaeftigt sich mit der online Publikation von Forschungsergebnissen.
Interesse an sachgerechter online Publikation ensteht allein schon aus dem Archivierungsauftrag. Archivierbarkeit muss bei digitalen Daten bereits im Prozess der Wissensgenerierung im Auge behalten werden.
Die MPDL (und ihr Vorgaengerprojekt) hat wesentliches know-how im Bereich Online Publikation von Forschungsergebnissen gesammelt. Dieses know-how wird mit Projekte wie WALS Online nun auch auf
Forschungsdaten uebertragen.
Der Erkenntnis "You cannot centralize data"[1] folgend, versucht die MPDL Ihre Dienste nahe am Wissenschaftler anzubieten ("[libraries] need to inject their services into the research groups")[1].
2. Forschungsdaten in der Linguistik
Linguistische Forschungsdaten zeichnen sich durch folgende Charakteristika aus:
- Sie entstehen oft dezentral - womoeglich sogar fernab der Zivilisation.
- Sie zielen meist auf eine Buchpublikation ab. Damit besteht die Gefahr des Datenverlusts zum Projektende.
- Viele linguistische Daten sind einzigartig und nicht wiederzubeschaffen - etwa weil eine Sprache ausgestorben ist.
- Linguistische Daten sind teilweise auch dem interessierten Laien verstaendlich [3].
Nicht zuletzt ist an der Linguistik ganz markant der Status als Schwellendisziplin zu beobachten: auf dem Weg vom Buch zur Datenbank.
3. Forschungsdaten im Web - das Potential von LinkedData
Der Maxime "the most successful repository is the internet. embrace it"[3] folgend, hat WALS Online bereits das Potential des Web als Virtual Research Environment und damit als Medium fuer Forschungsdaten gezeigt. Als naechster Schritt soll das Potential von LinkedData [4] erkundet werden.
LinkedData bietet sich als Integrationsmechanismus fuer Forschungsdaten auch an, weil die Anforderungen an den Datenanbieter recht niedrig sind.
